Die blaue Rose

06 Leseproben

Die blaue Rose

Es war einmal eine eigensinnige Königstochter, die wollte partout nicht heiraten. Alle tapferen, jungen Männer, die ihre Eltern bei ihr vorsprechen ließen, wies sie brüsk ab. Da sagte ihr Vater zu ihr: „Meine liebe Tochter. Wenn du keinen dieser tapferen jungen Männer willst, was willst du dann?“ Da erhob die junge Frau ihre Stimme und sprach: „Der Mann wird meiner sein, der in der Lage ist, mir eine blaue Rose zu bringen. Schafft er das nicht, ist er dem Tod geweiht.“ Vater und Mutter erblassten. Eine blaue Rose? Wer hatte davon schon gehört? Aber sie respektierten den Wunsch der Tochter und sagten: „So soll es sein.“ Im ganzen Königreich ließen sie die Kunde verbreiten, derjenige werde Mann der Prinzessin und damit Nachfolger des Königs, der es schaffe, ihr eine blaue Rose zu bringen. Noch aus den fernsten Winkeln des Reiches traten Männer den Weg in die Hauptstadt an, um vor die Prinzessin zu treten mit einer blauen Rose. Einer brachte einen Ring aus purem Gold mit einer sich herumrankenden blauen Rose. Doch die Prinzessin sagte: „Das ist keine Rose. Das ist ein Ring“, und der Bewerber musste sein Leben lassen. Es kamen Männer mit rosenbekränzten Emailleschatullen, mit kunstvoll gewebten und gedrechselten Rosen. Aber alle wies die Prinzessin ab. Da hörte ein Gärtner von den todesmutigen Bewerbern und der Bedingung. Er ging zum Schloss, um die Prinzessin zu sehen, und noch von weitem verliebte er sich in sie. „Geh nicht hin. Die Prinzessin ist grausam, und am Ende musst du sterben“, sagte sein Freund. „Ich bin mir meiner Sache sicher“, sagte der junge Gärtner nur. Am nächsten Morgen nahm er einen prächtigen Stock weiße Rosen mit ins Schloss und trat so vor die Prinzessin. Die Umstehenden begannen zu flüstern: „Aber die Rosen sind weiß!“ Doch die Prinzessin und der junge Mann sahen sich in die Augen, und da sagte die Prinzessin langsam: „Das sind die zauberhaftesten blauen Rosen, die ich je gesehen habe.“ Es wurde Hochzeit gefeiert, und danach lebten die Prinzessin und der Gärtner in seinem Haus am Stadtrand. Links und rechts vom Eingang pflanzten sie zwei prächtige weiße Rosenstöcke. Und zeitlebens sprachen sie von „ihren blauen Rosen“.

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